Interview mit dem THOMANER journal

In der Ausgabae 01 | 2017  erzählt Violinistin Anna Barbara Kastelewicz warum und inwiefern Bach für sie einen Erzieher darstellt.

Das komplette Interview finden Sie im folgenden Link

 

 


Trionfo Barocko – Außergewöhnlicher Konzertgenuss in Lingen

Lingen. Das Kulturforum Sankt Michael sorgte mit dem Gastspiel des Berliner Barockensembles Trionfo Barocco in Lingen für einen außergewöhnlichen Konzertgenuss, bei dem das sinnliche Eintauchen in die Zeit des Barock wie automatisch erfolgte.

Christiane Gerhardt stellte einleitend mit wohl dosierten Erläuterungen – anstelle eines Programmheftes – das Konzertthema, „die Liebe des Orfeos in der Unterwelt“ sowie die Charakteristik der begleitenden Barockinstrumente dar. Sie selbst spielte anschließend hingebungsvoll die Viola da gamba, eine sechssaitige Schoßgeige (dem Vorläufer des Cello), die durch seine Bünde einen Verwandtschaftsgrad zu einer Gitarre aufweist. Des Weiteren bildeten die Cembalistin Mira Lange und der Violinist Christoph Timpe, zusammen mit Gerhardt, das wundervoll miteinander harmonierende Musiker-Trio.

Perfekter Klangteppich

Dezent am linken Bühnenrand platziert, schenkten sie zu Beginn des Abends Niels Badenhop – als Darsteller des Orfeos – einen perfekten Klangteppich für die von ihm gesungene Arie von Claudio Monteverdi. Darin ruft Orfeo Apollon, den großen Gott der Sonne und der Künste, damit dieser auf ihn herabschauen möge. Denn Orfeo fühlt sich, trotz der zauberhaften Stimme, mit der er wilde Tiere zu besänftigen vermag, nicht vollkommen. Er wünsche sich sehnlich, dass Amor ihm eine Gefährtin schicken möge. Sein Wunsch wird erhört und ein engelsgleich ausschauender Amor begibt sich mit einem weißen Liebespfeil auf die Suche nach einer passenden Frau für Orfeo. Julia Keller mimt die Personifikation der Liebe mit liebreizender Mimik und filigran anmutigen Bewegungen. Nach einer Weile er- späht Amor die geeignete Gefährtin und trifft mit dem Pfeil Orfeos Herz. Eurydike (Jutta Voß Badenhop) ist ebenfalls entzückt.

Stilrichtungen

Monteverdi schuf mit „L`Orfeo 1607 das bis dahin noch nicht gekannte Genre, die Oper, mit der er die griechische Sage „Orpheus und Eurydike“ auf musikalisch-theatrale Weise wiederzugeben vermochte. Trionfo Barocco griff jedoch noch auf weitere Komponisten zurück, um die Themen „Liebe, Hochzeit und Tod“ zum Ausdruck zu bringen. Beschwingt vom Liebesglück hüpfen und schreiten die beiden Liebenden leichtfüßig zur Siute von Marin Marais daher. Und die aus vier Sätzen bestehende Violinen- Sonate von Jean Marie Leclair sorgte mit ihren unterschiedlichen Stimmungen und Tempiwechseln ganz ohne Darsteller für einen vielfältigen Einfühlungsgenuss. Der Franzose Leclair fusionierte, nachdem er in Italien prägende Aufenthalte erlebt hat, die beiden länderspezifischen Stilrichtungen miteinander zu einem eigenen Stil. Die Geschichte nimmt ihren dramatischen Verlauf, als Eurydike nach dem Biss eines Tieres stirbt. Orfeo folgt ihr in die Unterwelt, da er ihren Tod nicht akzeptieren kann. Mit original nach gebildeten Kostümen und den Choreografien wie zu Zeiten König Ludwig des XIV erwarben sich die Darsteller eine Authentizität, die das charakteristische des Barock gut wiederzugeben vermochte. Dennoch sprang nicht immer der Funke über, da der Spannungsbogen sich in ein wenig zu theatral als gefühlsecht wirkenden Haltungen verlor.


Schlossfestspiele Ribbeck mit Romantik, Musik und Action

Auch im Sommer 2017 verwandelt sich das neobarocke Schloss Ribbeck wieder in eine sagenhafte Theaterkulisse. Mit „Romeo und Julia“ von William Shakespeare steht eine der größten, wenn nicht sogar die größte Liebesgeschichte aller Zeiten auf dem Spielplan. „Romeo und Julia“ ist eine Tragödie, die ans Herz geht. Sie spiegelt wieder, wie unzerstörbar Liebe sein kann und das sie keine Grenzen kennt.

An einem Sonntag lernen sie sich kennen, fünf Tage später bringen sie sich um – aber dazwischen erleben Romeo und Julia die aufregendste, schmerzhafteste, wunderschönste Zeit ihres Lebens. Shakespeare ist ein Meister der Worte, er schafft es sogar hunderte Jahre später, die Leute immer noch zu berühren.

In der klassischen Inszenierung von Claus Stahnke wird die alte Sprache sensibel an den heutigen Sprachgebrauch angepasst, ohne den Wert der Sprachkunst zur Entstehungszeit zu zerstören.

Die actionreichen Fechtszenen, für die Gerd Borho, der einzige offiziell anerkannte Fechtmeister für szenisches Filmfechten in Deutschland, choreografisch verantwortlich ist, sind sicher ein besonderes Highlight für die Besucher in Ribbeck. Musikliebhaber werden von den Kompositionen, die Dmitri Pavlov und Anna Barbara Kastelewicz teilweise live spielen, begeistert sein.

Wer in den letzten drei Jahren die Inszenierungen der Schlossfestspiele Ribbeck besucht hat, kennt bereits zwei Berliner Schauspieler, die auch in diesem Sommer wieder dabei sein werden: Veit Stiller (Mönch Lorenzo) und Cornelia Jahr (Amme). „Romeo und Julia waren quasi Jugendliche, deshalb haben wir mit Absolventen mehrerer Berliner Schauspielschulen ein aufwändiges Casting gemacht, um die ideale Besetzung zu finden“, erzählt Regisseur Stahnke. „Es gab viele talentierte Bewerber, die Auswahl war schwer, aber ich bin sicher, wir haben uns richtig entschieden.“

Die Berlinerin Josefine Heidt hat 2013 ihre Ausbildung beendet und ist seitdem auf der Bühne und im TV im schauspielerischen Einsatz. Sie freut sich, zum ersten Mal die Rolle der Julia zu übernehmen. Um die Ausbildung an einer renommierten Berliner Schauspielschule absolvieren zu können, zog der Baden-Württemberger Maximilian Wrede in die Hauptstadt. Das Studium gerade erfolgreich beendet, kann sich der talentierte Schauspieler nun über seine erste Hauptrolle als Romeo freuen.

„Auch 2017 werden wir Besuchern, die nicht mit einem Auto kommen können oder die Parkplatzsuche scheuen, einen Theaterbesuch in Ribbeck ermöglichen. Die Tickets können im Internet bei reservix.de mit der Option Bustransfer gegen einen geringen Aufpreis erworben werden. Unser Team holt die Karteninhaber am Bahnhof Nauen ab und bringt sie nach der Vorstellung dort wieder hin“, erklärt Pressesprecherin Marietta Grade. (Text/Foto: Presse)

Der Kartenverkauf bei www.reservix.de hat bereits begonnen.
Weitere Infos auf der Homepage www.schlossfestspiele-ribbeck.de

Die Spielzeiten: 7.Juli 19 Uhr, 8.Juli 19 Uhr, 9.Juli 15 Uhr
14.Juli 19 Uhr, 15.Juli 19 Uhr, 16.Juli 15 Uhr


Artikel erschienen am 23. Januar 2017 in der regionalen Zeitung „Westfalen – Blatt“ – Dagmar Korth

Hohe Spielkultur gezeigt

Artikel Bad Driburg


Artikel erschienen am 3. Januar 2017 in der Lausitzer Rundschau – Andreas Staindl

Vergnügliche letzte Stunden mit dem Charme der Goldenen Zwanziger

Premiere in ausverkaufter Luckauer Kulturkirche / Internationales Konzertprogramm mit deutsch-österreichischem Lokalkolorit

Die Kulturfestspiele Schlösser und Gärten der Mark machten am letzten Tag des alten Jahres in der Kulturkirche in Luckau Station. Anna Barbara Kastelewicz (Violine) und Alexander Klein (Klavier) führten die Besucher musikalisch in Richtung Jahreswechsel. Die Veranstaltung der Freunde der Residenzstadt Königs Wusterhausen war ausverkauft.
Es waren vergnügliche letzte Stunden im alten Jahr. „Tea for Two“ ist eine Verbeugung vor der Nostalgie der Goldenen Zwanziger. Das Duo Kastelewicz/Klein bot eine musikalische Melange, eine Mischung verschiedener Kaffeespezialitäten in Noten. Ihr Repertoire reicht von der klassischen Kaffeehausmusik bis hin zu Pop- und Jazztiteln.

Das Interesse war riesig. Zusätzliche Stühle mussten aufgestellt werden. Auch auf der Empore saßen Gäste. Etwa 170 Besucher haben das Konzert schließlich verfolgt. Es war das erste Mal, dass eine solche Veranstaltung in den letzten Stunden eines alten Jahres in Luckau stattfand. Die Premiere war ein Erfolg.

„Wer heute hier ist, war entweder clever oder hatte einfach nur Glück“, sagte Luckaus Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos) vor Konzertbeginn. Er wünscht sich, dass die Veranstaltung hilft, das Jahr 2016 in guter Erinnerung zu behalten: „Ich schließe das Jahr positiv ab.“

Anna Barbara Kastelewicz und Alexander Klein nahmen die Besucher musikalisch mit in das Jahr 1931. Sie verwandelten die Kulturkirche gedanklich in ein Grand Hotel in Berlin. Dem Publikum wurde „Tea for Two“ serviert und ein zeitgenössisches Programm geboten. Dieses war von Internationalität und deutsch-österreichischem Lokalkolorit geprägt. Ein abwechslungsreicher Abend voller Foxtrott, Tango, Jazz und Walzer hielt die Zuhörer in Schwung. Selbst Charlie Chaplin war fiktiv dabei. Der britische Komiker und Filmproduzent hielt im großen Gesellschaftssaal eine Pressekonferenz zum Jahreswechsel ab. Dort wurde gemeldet, dass der Stummfilmstar tatsächlich sprechen kann und außerdem seine Filmmusik komponiert. Kastelewicz und Klein haben das Thema wunderbar umgesetzt und das Publikum bestens unterhalten. Sie musizierten, erklärten, gestikulierten – und hatten immer wieder die Lacher auf ihrer Seite. Und ganz nebenbei lernten die Gäste auch noch Feinheiten der Tonleiter kennen.

Das Duo „Tea for Two“ nahm die Besucher augenzwinkernd mit in Richtung Jahreswechsel und wickelte sie mit seinem unwiderstehlichen Charme um die Finger. Beide Künstler sind national und international präsent. Am Silvesterabend kamen sie im Rahmen der Kulturfestspiele nach Luckau. Eine gelungene Premiere.


Für die kalte Jahreszeit ein paar wärmende lateinamerikanische Rythmen!

Freut Euch auf einen Einblick vom Konzert von Eva Jagun und Band in Lanke für die Kulturfestspiele – Schlösser und Gärten der Mark.


Einblick vom Konzert in Kossenblatt mit dem Klarienttenquartett „Blattgold“
für die Kulturfestspiele – Schlösser und Gärten der Mark


Mahn- und Gedenktreffen am Lager Mühlberg

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Gesungene Botschaft von Frieden und Freude

 Artikel erschienen am 30. Dezember 2016 in der Märkischen OderZeitung – Matthias Lubisch


CD Produktion vom 5.12. bis 9.12.2016 mit dem Kurpfälzischen Kammerorchester

Carl Stamitz: Klarinettenkonzerte in B-Dur
Solist: Paul Meyer (Klarinette)
Dirigent: Johannes Schlaefli
Konzertmeisterin: Anna Barbara Kastelewicz
Die Veröffentlichung der CD ist für den Sommer 2017 geplant.

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Klänge für die Kleinode

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Artikel erschienen im Top Magazin, 29. September 2016


Zacken, Gabeln, Klapperstöcke – Der Studio Chor Berlin lädt zum Hexentanz

Auszug aus der Kritik:

„…Ein solches Programm hat der Studio Chor Berlin zu Pfingsten im Konzerthaus präsentiert, unter seinem neuen Leiter Alexander Lebek. Besonders die erste Programmhälfte mit Ludwig van Beethovens „Meerestille und Glückliche Fahrt“, Robert Schumanns „Nachtlied“ und Johannes Brahms „Schicksallied“ stellt dabei eine große Herausforderung für den erst seit Februar amtierenden jungen Dirigenten dar. Innerhalb von nur wenigen Minuten müssen der Chor und das Neue Konzertorchester Berlin beachtliche Kontraste zwischen emphatisch geschilderten Entgrenzungserfahrungen und tröstlichen Visionen unter einen Spannungsbogen zwingen.

(…)

Wie aus einem Guss wirkt dann Mendelssohns „Erste Walpurgisnacht“, die Vertonung von Goethes frech antiklerikaler Ballade. Das ist nicht zuletzt den engagierten und dramatisch denkenden Solisten zu verdanken – allen voran der Bariton Jonathan de la Paz Zaens. Mit beachtlicher Präsenz in der Rolle des Druidenpriesters schlüpfend, sorgt er dafür, dass die aufklärungsfeindlichen „dumpfen Pfaffenchristen“, welche die hier deutlich pantheistisch angehauchten alten Sachsen unterdrücken, ihr Fett wegbekommen. Einen Heidenspaß hat auch der plastisch deklamierende Studio Chor Berlin daran, den Widersachern mit „Zacken, Gabeln, Glut und Klapperstöcken“ einen furchterregenden Hexensabbath vorzutäuschen. Bis dann alle in ein wunderbar intensiv gestaltetes, gleichsam von innen glänzendes Finale einmünden, um die lichte Stimmung eines von klerikalen Zwängen befreiten Glaubens zu feiern.“

Erschienen am 17. Mai 2016 im Tagesspiegel – Carsten Niemann


Klassik und Komödie – Aktionsreiches Eröffnungskonzert zu den 16. Falkenseer Musiktagen

Auszug aus der Kritik:

„…Beim nächsten Stück, einer Humoresque des amerikabegeisterten Antonin Dvorak, verführten die drei jungen Damen – nun im verändertem Outfit und mit Cowboyhüten – das auf eine Reise durch den Wilden Westen. Die Geige zielte auf den Bürgermeister, ein Schuss knallte, Geige und Cello verfolgen sich im schnellen Lauf um das Piano. Begeisterung bei den überraschten Zuhörern, besonders bei den Jüngeren. […] Mit dieser spritzig, humorvollen, einfallsreichen Vorstellung ist den Künstlerinnen ein ebenso niveauvoller wie unterhaltsamer Konzertabend gelungen, der die Vorfreude auf die kommenden Veranstaltungen geweckt hat.“

Erschienen am 26. April 2015 im Brandenburger Wochenblatt


“Acis und Galatea” in Gartow – Händels Prachtstückchen in ländlicher Idylle

Gartow
Der Festsaal im Schloss als Konzertsaal und Opernhaus, der Park als geselliger Ort für ein sommerlich sonniges Picknick, dazu junge Künstler, die dem Publikum die Ohren klingen lassen. Andreas Graf von Bernstorff lässt diese Idylle im Familienschloss Gartow (kurz hinter Gorleben) – neben anderen Konzerten – an einem Wochenende im Jahr Wirklichkeit werden. Diesmal mit einem Barockkonzert und Händels erster englischer Mini-Oper, “Acis And Galatea”.

Das auf kleinstem Raum intelligent inszenierte Barockdramolett wurde zum vollendeten Genuss weit über dem Niveau einer gehobenen Liebhaber-Aufführung. Fünf hervorragende Sänger interpretierten das Liebesspiel um die Nymphe Galatea, den Hirten Acis und das Monster Polyphem mit Leidenschaft und brillanten Stimmen. Überragend Simon Wallfischs schlanker und strahlender, in den Koloraturen und Verzierungen sehr beweglicher Tenor. Überzeugend auch Tobias Hagges Polyphem-Bass, brutal und hilflos zärtlich zugleich. Herdis Anna Jonasdóttir (Sopran) sang seelenvoll die Nymphe, die ihren Geliebten im Kampf mit dem Monster verliert, Oliver Uden (Tenor) dessen Nebenbuhler Damon, und Tasuku Ishizuka (Countertenor) den Amor.

Hervorragend die Idee von Regisseur Georgios Kapodoglou, die Natur, die eine zentrale Rolle spielt, durch eine Tänzerin zu visualisieren (ein Highlight: Linda Weißig).

Sieben Musiker unter der Leitung von Fausto Nardi am Originalklang-Instrumentarium ließen Händels fein gestrickte Musik transparent aufblühen. Langanhaltender Beifall der 140 begeisterten Besucher.
Die Hamburger können sich freuen: Am 6. November ist die kleine, feine Inszenierung in der Hochschule für Musik und Theater zu Gast.

Erschienen am 18. August 2008, Hamburger Abendblatt


Lokales aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg

Im Garten der Affekte

Fausto Nardi dirigiert Händels »Acis und Galatea» in der Inszenierung von Georgios Kapoglou in Gartoe
tj Gartow. Vielleicht ist es die letzte Arie der Galatea, von der aus der Händels Oper »Acis und Galatea» am schlüssigsten gelesen werden kann: »Heart, the seat of soft delight», singt sie, und verwandelt ihren toten Geliebten Acis mit ihrer »pow»r divine» in einen Bach, »like crystal flood». Es geht um Liebe, es geht um Natur.

Gleitend, federnd die Begleitung, in der ständig neue Farben, neue rhythmische und metrische Spielereien auftauchen und versinken. Die Sopranistin Norma Nahoun lässt ihre Stimme zart im Irgendwo zwischen Melancholie und Hoffnung schweben, Linda Weißig tanzt dazu, aus fließender Bewegung und blauen Stoffstreifen entspringt ein Fluss auf der Bühne. Metamorphose, Verwandlung – sie ist das zentrale Prinzip in »Acis und Galatea», die Georg Friedrich Händel 1718 auf ein Libretto von John Gay, Alexander Pope und John Hughes komponiert hat. Der Text basiert auf Ovids »Metamorphosen». Im Rahmen der Schlosskonzerte Gartow war die Erstfassung dieser »Masque» – der Begriff wäre am ehesten mit »Pastorale» ins Deutsche zu übertragen – zweimal zu hören. Am Sonntag beschlossen standing ovations ein fulminantes Muskwochenende. Das Schlussbild fasst die Oper treffend zusammen. Immer wieder entwickeln sich in diesem Garten der Affekte in der Textur der Musik zunächst fast unmerklich völlig neue Stimmungen. Dem von Norma Nahoun mit warmen Glanz und subtil gestalteten »As when the dove laments her love» (verdienter Szenenapplaus) folgt das von Galatea und Acis (feinfühlig, aber manchmal ein wenig zu festhaltend: der Tenor Götz Phillip Körner) funkelnd gesungene Liebesduett »Happy we». Der Chor »Wretched lovers!» dann nimmt erst den Gestus des Duetts auf, dann kehrt sich der Affekt um, wenn ein dunkler Schatten im Stimmengeflecht auftaucht: die Stimme des »monster Polypheme».

Der Bass Tobias Hagge singt den einäugigen Riesen, der Galatea begehrt. In seinen Arien wie »I rage – I melt – I burn!» kann er die Qualitäten seiner markanten Stimme voll zur Geltung bringen: Energie, kombiniert mit Präzision. Große Qualitäten, die den darstellerischen entsprechen: Hagges Polyphem ist zwar Monster, aber auch etwas komisch. Oder anrührend, etwa ob der töpeligen Versuche, mit denen er auf Anregung von Acis» Freund Damon (der Tenor Oliver Uden sang ihn beweglich und ausdrucksstark) sich in Zärtlichkeit versucht: ein barocker King Kong. Nur im Chor ist Countertenor Tasuku Ishizuka zu hören – dass er mit seiner schlanken Stimme feinfühlig zu gestalten weiß, machten auch die Arien deutlich, die Ishizuka bei dem der Oper vorangehenden Kammerkonzert sang. Als subtile Interpretin mit funkelndem Esprit war dabei auch die Sopranistin Herdis Anna Jonasdottir zu erleben, die am Sonnabend die Galatea gesungen hatte. Die ständige Verwandlung als Grundprinzip der Musik von »Acis und Galatea» arbeitete das von Fausto Nardi gelassen und pointiert dirigierte sechsköpfige Begleit-Ensemble mittels subtiler Farbnunancierungen, schwebenden dynamischen Wechseln, rhythmischer Raffinesse eindringlich heraus. Auch die Inszenierung von Georgios Kapoglou folgt dem Primat des Themas Verwandlung, verweigert jede umstandslose Eindeutigkeit. Die handelnden Charaktere scheinen immer wieder ineinander zu verfließen. Galatea und die von Linda Weißig in leichte Tanzbilder gefasste Natur werden stellenweise zu einer Einheit, Acis und Polyphem sind auch als zwei Seiten einer Medaille gezeichnet. Im Zusammenspiel mit der wandelbaren Musik entstehen eindringliche Szenen, so etwa im von den beiden Rivalen und Galatea gesungenen Trio »The flocks shall leave the mountains/Torture, fury, rage, despair». Der wilde Gestus der Musik endet im Einsturz der Mauer, die das Zentrum des von Silvia Platzek realisierten Bühnenbildes bildet – Acis, so heißt es bei Ovid, wurde mit einem Stein erschlagen. Außer der Mauer besteht das einfache, aber vielschichtige und vielfältige Spielmöglichkeiten eröffnende Bühnenbild aus sechs Quadern, die während des Eröffnungschores von den Solisten mit Symbolen zu Aspekten des Themas bemalt werden. Georgios Kapoglous Personenführung nutzt die Quader für schlüssige Konstellationen.

Das Projekt ist auch Chance für die jungen Interpreten von der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin. Deren Förderverein zählte neben der hiesigen Sparkasse, der Lottostiftung, dem Lüneburgischen Landschaftsverband und der Ritterschaft des Fürstentums Lüneburg zu den Sponsoren.

Bild: Händels Oper “Acis und Galatea” war am Wochenende im Schloss Gartow zu erleben. Norma Nahoun (Sopran) und Götz Phillip Körner (Tenor) sangen Sonntag die Hauptrollen. 3 Aufn.: T. Janssen


Zyklop sorgt für Horror-Komik

Gastspiel von Händels Taschenoper „Acis und Galatea” im Celler Schloss

Sehenswertes Gastspiel des Musikfestivals Lüneburger Heide: Händels Oper „Acis und Galatea” hat das Publikum im Rittersaal des Celler Schlosses begeistert. Das junge Berliner Ensemble griff in seinem Gesang stilkundig barocke Aufführungspraktiken auf und Tobias Hagge sorgte in der Rolle des Zyklopen sogar für einen Hauch von Horror-Komik.

CELLE. Für tosenden Applaus sorgte das Gastspiel von Händels Taschenoper „Acis und Galatea”, die am Sonntag im Rahmen des Musikfestivals Lüneburger Heide vor etwa 180 begeisterten Besuchern im Rittersaal des Celler Schlosses aufgeführt wurde. Kern der Handlung ist eine Episode aus Ovids Metamorphosen, in der der Zyklop Polyphem die Liebesidylle des Schäfers Acis und der Nymphe Galatea zerstört, weil er sich selbst in Galatea verliebt hat.

Die Oper „Acis und Galatea” entstammt einer Tradition, die uns heute fremd erscheint. Als „Masque” hat Händel sein mythenreiches pastorales Spiel bezeichnet, das auf eine höfische Repräsentationskultur zurückgreift, in der Mitglieder des Hofes die Metapher von einer Welt als Bühne zelebrierten und ihren spielerischen und vor allem tänzerischen Talenten nachkamen. So stellte denn auch Regisseur Georgios Kapoglou nicht das Zerstörerische, sondern den Tiefgang der Gefühle in den Vordergrund und präsentierte das Schauspiel wie das Aquarell eines arkadischen Idylls im Stil einer leichten Serenata. Dabei bediente sich das junge Berliner Ensemble unter der Leitung von Barbara Kastelewicz des altenglischen Original-Librettos, was dem Stück zusätzliche Authentizität verlieh. Als genialer Regieeinfall erwies sich zudem immer wieder die „personifizierte Natur” in Gestalt der bravourösen Tänzerin Linda Weißig, die buchstäblich für ein lebendiges Bühnenbild sorgte.

Die fünf Gesangssolisten, die im Tutti auch als Chor wirkten, begeisterten das Publikum mit erfrischenden, unverkrampften Interpretationen der empfindsamen, überwiegend lyrischen Arien, trefflich begleitet durch das auf historischen Instrumenten vielfarbig musizierende siebenköpfige Orchester. Norma Nahoun und Simon Wallfisch in den Hauptrollen als Galatea und Acis vermittelten gefühlvoll das zärtliche Anbandeln und griffen in ihrem Gesang mit einhüllender Wärme und sparsam dosierten Auszierungen stilkundig barocke Aufführungspraktiken auf. Doch beherrscht wurde die Szene von Tobias Hagge in der Rolle des Polyphem, der mit seinem je nach Situation polternden, dramatischen oder lyrischen Bass dem Ganzen bisweilen einen liebenswerten Hauch von Horror-Komik gab. Einfach schön.

Erschienen am 11. August 2008, Rolf-Dieter Diehl, Cellesche Zeitung – Kultur Regional