KASTELEWICZ music in progress forscht zu musikwissenschaftlichen Themen.


Die musikwissenschaftliche Arbeit wird geförderut durch Stipendien von der Universität Mozarteum Salzburg und der AKB Stiftung Einbeck

Musik in den sowjetischen Speziallagern

Vom Kriegsende 1945 an bis 1950 inhaftierte die sowjetische Besatzungsmacht insgesamt weit über 100.000 Personen in besonderen Lagern, den Speziallagern Nr. 1 – 10.
Das Besondere dieser Lager war die totale Isolation der Gefangenen gegenüber der Außenwelt – es waren sogenannte „Schweigelager“. Jeder Kontakt nach außen oder zu Angehörigen, der Besitz von Papier und Bleistift, jede sinnvolle geistige Tätigkeit (außer Schachspielen) waren streng verboten. Lediglich in Arbeitskolonnen zur Aufrechterhaltung des Lagerbetriebs war eine Betätigung für wenige Häftlinge möglich. Die verordnete Inaktivität bedeutete zusätzlich eine extreme psychische Belastung, die die physische Not durch Hunger und Krankheit noch verstärkte. Die Todesrate lag bei etwa 30%.
Trotz des Verbots gab es vielfältige heimliche, teils geduldete musikalische und andere kulturelle Betätigungen der Häftlinge (Singen, selten Musizieren mit behelfsmäßigen Instrumenten, Vorträge, Gedichte, Kunsthandwerk etc.), um vor allem der geistigen Verödung zu entgehen.
Im (offensichtlichen oder scheinbaren) Widerspruch zu diesem Verbot gab es die offizielle „Kultura“, in deren Rahmen Konzerte, Theateraufführungen und andere Veranstaltungen von inhaftierten Künstlern, oft auf höchstem Niveau, stattfanden, zunächst für das sowjetische Lagerpersonal, später auch für die Häftlinge zugänglich.
Anna Barbara Kastelewicz erschließt das Quellenmaterial. Wenige Noten haben zum Teil als Stimmen-Überreste überlebt. Dieser seltene Schatz wird gesichert, aufgearbeitet, analysiert, ergänzt und arrangiert und in moderierten Konzerten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

muehlberg

Mahn- und Gedenktreffen am Lager Mühlberg

 

 

 

 

 

 

Ein Artikel in der Zeitschrift „der Stacheldraht“ Nr6/2015 über die Erinnerungsveranstaltung zum 70. Jahrestag der Einrichtung des NKWD Lagers Nr.9. Anna Barbara Kastelewicz hielt bei der Veranstaltung einen Vortrag zu ihrer Arbeit.

Gemeinsames Erinnern – Der Stacheldraht Nr.6/2015 von Rita Lüdtke